Kohle-Kette bei Garzweiler II

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Am 25. April 2015 trafen sich über 6.000 Menschen in NRW, um ein Zeichen zu setzen. Die Botschaft lautete: "Wir wollen keine weitere Braunkohletagebaue!" Sie bildeten dazu eine 7,5 km lange Menschenkette, um RWE zu sagen: "STOPP - bis hierher und nicht weiter!!!".

Die Menschenkette positionierte sich an der Stelle des geplanten Ausbaus des Braunkohletagebaus Garzweiler II. Für den Ausbau soll nicht nur eine große Fläche Natur in eine riesige Kohlegrube verwandelt werden, nein, es würden auch viele Menschen zwangsumgesiedelt werden wie z. B. der ganze Ort Immenrath (wo die Abschlusskundgebung stattfand).

Bei solch einer wichtigen Aktion wollten einige von Greenpeace Rosenheim natürlich auch dabei sein. Drei von uns hatten sich auf den Weg von Rosenheim nach Garzweiler gemacht:

"Nach der langen Anreise konnten wir im von der BUND-Jugend organisierten Kohle-Camp übernachten. Von dort ging es, nach NGO-übergreifenden Vorbereitungen, gemeinsam zur Menschenkette. Nach erfolgreichem Zusammenschluss der "Anti-Kohle-Kette" ging es ins mittlerweile menschenverlassene "Geisterdorf" Immenrath. Dort gab es Redebeiträge internationaler UmweltschützerInnen und WissenschaftlerInnen zum Kohleabbau zu hören. Ortsschilder bedrohter und verschwundener Ortschaften begleiteten die Kundgebung, vor der Nachbildung einer Baggerschaufel.

Am Abend wollten wir dann noch die Chance nutzen, um zu sehen, was sich hinter dem für uns abstrakten Wort "Kohletagebau" verbirgt. Wir besuchten den Braunkohletagebau Garzweiler I (er umfasst eine Fläche von ca. 31 km² und eine Tiefe von 200 m), wo die riesigen Bagger zu sehen und zu hören waren. Ein Bagger ist 220 Meter lang, 96 Meter hoch, so schwer wie 10.000 Autos und bewegt täglich 240.000 Tonnen Braunkohle und Abraum. Pro Jahr entstehen 175-225 Mio. t Abraum, für 35-40 Mio. t Kohle. Braunkohle hält einen Rekord: Bei keiner Form der Stromerzeugung ist das Verhältnis von Energieausbeute zu Treibhausgasausstoß schlechter.

Nach diesem Schock haben wir am folgenden Tag noch den wunderschönen alten Buchenwald bei Hambach besichtigt. Dieser ist ebenfalls von der Ausweitung eines Braunkohletagebaus bedroht. Es ist erschütternd zu sehen, dass alte schützenswerte Buchenwälder den Baggern zum Opfer fallen sollen. Alte Buchenwälder sind jahrhundertelang geschrumpft und machen in Deutschland nur noch weniger als 1 % der Waldfläche aus. Eigentlich sollten sie unter Naturschutz stehen. Dieser Mission haben sich bei Hambach engagierte UmweltaktivistInnen gewidmet und sogenannte "Walddörfer" bezogen. Das heisst, sie wohnen in den Bäumen (oder auf naheliegenden Grundstücken) und verhindern damit deren Fällung. Wir würden uns wünschen, wenn mehr Menschen einen Beitrag zum Schutz der alten Buchenwälder leisten würden.

Trotz all der massiven Zerstörungen durch die Tagebaue konnten wir mit einem kleinen Hoffnungsschimmer auf die Rettung unseres Klimas die Heimreise antreten: Es gibt Baumbesetzungen, die Kohleketten und vom 9.-14.8.15 findet im Rheinland ein Klimacamp und die "Degrowth-konkret-Sommerschule" statt."

(*) Im "Greenpeace-Magazin" 4/15 (Juli-August 2015) findet sich zu den BaumbesetzerInnen ein langer schöner, trauriger Artikel mit vielen Fotos.

https://www.greenpeace-magazin.de/gruener-rasen-415

Und hier die Seite der BaumbesetzerInnen: hambacherforst.blogsport.de  Im Sommer wollen sie ein Buch veröffentlichen. 

Bis dahin empfehlen wir das Buch von Julia Butterfly Hill: "The Legacy of Luna. The Story of a Tree, a Woman, and the Struggle to Save the Redwoods", San Francisco 2000, ISBN 978-0-06-251659-6 (dt. "Die Botschaft der Baumfrau", München 2002, ISBN 3-442-15191-0. Sie lebte 738 Tage lang in einem 1000-jährigen Redwood-Baum in Nordkalifornien, den sie "Luna" getauft hatte. Die Firma "Pacific Lumber" wollte ihn fällen. https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_Butterfly_Hill

Weitere Infos: https://de.wikipedia.org/wiki/Tagebau_Garzweiler